Worte zum Tag – 30. November 2020

Hauptstadt.TVHauptstadt.TV30. November 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.“ schreibt Paulus an die Römer. Es ist der Lehrtext von heute. Mit dem Brief hat sich Paulus in der Gemeinde in der Weltstadt Rom vorstellen wollen. Und deshalb ist er so grundsätzlich. So tiefgreifend. Und ist immer wieder der Text aus dem Neuen Testament geworden, mit dem die Kirche neu begründet worden ist, in dem sie reformiert wurde. Also in die alte Form zurückgebracht wurde, die Jesus für sie wollte und wie sie Paulus das erste Mal so klar und deutlich beschrieben hat.

Aller Glauben an einen Gott in welcher Religion auch immer beruht darauf, dass ein Mensch sich diesem höheren Wesen gegenüber in einer Schuld sieht. Gott ist so unbegreiflich groß, so viel größer als der Mensch, dass ein Mensch wie der große Theologe Schleiermacher, im Berlin des 19. Jahrhunderts eine schlechthinnige Abhängigkeit von diesem Gott für sich sieht. Und in dieser Abhängigkeit sieht ein Mensch Schuld bei sich. Wenn ich mich diesem Gott als Geschöpf verdanke, dann bin ich ihm soviel schuldig, dass ich das gar nicht wirklich gutmachen kann. Gar nicht abstottern kann. Dann bleibe ich in dieser Schuld Gott gegenüber, weil sie zu groß ist, als dass ich sie bezahlen könnte.

Und hier nun setzt der ehemalige Rabbi Saulus an, der vor Damaskus, in seinem Damaskuserlebnis vom Verfolger Jesu zum Nachfolger Jesu geworden ist. Mit dem Blick auf Jesus hat Paulus in aller Radikalität, also bis an die Wurzel erkannt, dass Gott uns durch Jesus von aller Schuld befreit hat. Alle Schuld des Menschen Gott gegenüber, die auch die Juden sehen, weshalb sie ja täglich im Tempel in Jerusalem Opfer für Gott darbringen, ist in dem Opfer Gottes aufgehoben. Beendet. Wer also wollte noch die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist es selbst, der die Menschen gerecht gemacht hat. Und nun eben nicht nur die Juden. Sondern diese Erlösung des Menschen gilt als Angebot allen. Und wer sie für sich annimmt, der ist darin auserwählt. Gottes Erwählung besteht eben darin, dass Gott alle Menschen erwählt zu seinem Partner. Und wann und wo und wie und wie oft dieses Angebot jemandem gemacht wird, das dürfen wir getrost Gott überlassen.

Martin Luther hat sich angesichts seiner gefühlten Schuld und seiner Glaubenszweifel gefragt, wie Gott Menschen, die nur wenig glauben konnten, in seine Ewigkeit rettet, sie aus unserem Diesseits in sein Jenseits holt. Und sich geantwortet mit einer Geschichte. Ich will Ihnen diese Geschichte erzählen.

Stellen Sie sich die Schlucht bei der Rosstrappe im Harz vor. Es ist eine dunkle, eisig kalte und windige Nacht. Um auf die andere Seite zu gelangen, kann man nur über ein Seil balancieren. Aber wir haben keine Stange zum Balancieren und die Augen sind uns verbunden. Was schon bei Sonne und ohne Wind den Absturz in den sicheren Tod bedeutet, ist jetzt aussichtslos. Wer in dieser Situation wieder, wie sein ganzes Leben, nur auf sich vertraut, der gelangt nicht auf die andere Seite, in das Jenseits. Aber wer angesichts des Todes, in völliger Ausweglosigkeit sich nicht aufgibt, sondern sagt, jetzt vertraue ich mich ganz und, wie noch nie in meinem Leben, Gott an, der wird von ihm auf die andere Seite getragen. Der endet nicht im Nichts des Todes, sondern wird über den Tod hinaus bewahrt in der Gegenwart Gottes.

Ein Gedicht erzählt von diesem Bewahrt-Werden bei Gott. Ich habe es vor Jahren mal auf einer Karte gelesen. „Ich träumte eines Nachts, ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Und es entstand vor meinen Augen, Streiflichtern gleich, mein Leben. Nachdem das letzte Bild an uns vorbei geglitten war, sah ich zurück und stellte fest, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur zu sehen war.

Das verwirrte mich sehr, und ich wandte mich an den Herrn: „Als ich dir damals, alles was ich hatte, übergab, um dir zu folgen, da sagtest du, du würdest immer bei mir sein. Warum hast du mich verlassen, als ich dich so verzweifelt brauchte?“ Der Herr nahm meine Hand: „Nie ließ ich dich allein, schon gar nicht in Zeiten der Angst und Not. Wo du nur ein Paar Spuren im Sand erkennst, sei ganz gewiss: Da hab ich dich getragen.“ Bleiben sie gesundBehütet.


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