Worte zum Tag- 30. Oktober 2020

Hauptstadt.TVHauptstadt.TV30. Oktober 202012

Liebe Schwestern und Brüder,

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“ begleitet uns als Losung aus Jeremia 29 durch den Monat Oktober.

In der Zeit der Teilung von Deutschland und Berlin haben wir uns im Osten immer gefragt, was das nun konkret für uns heißen kann. Denn dass man das Unrechtsregime der SED stützen solle, konnte damit ja nicht gemeint sein. Die SED, die Sozialistische Einheitspartei, hatte eine Diktatur der Arbeiterklasse errichtet. Und weil viele sich dabei um ihre Zukunft betrogen fühlten, haben Sie dann 1961 auch noch eine Mauer gebaut. Um so alle zwingen zu können, an ihrem Experiment teilzunehmen. Sie haben kurz nach der Gründung der DDR 1949 versucht, die Kirchen und die Christen zu marginalisieren. Aber die Kirchen in Ost und West sind in Partnerschaft verbunden geblieben. Es gab für jede Gemeinde im Osten eine Patengemeinde im Westen. Man besuchte sich und feierte gemeinsam Gottesdienste. Und erzählte sich von den unterschiedlichen Formen zu leben. Ich habe in Babelsberg 1977 unsere Partnergemeinde aus Karlsruhe kennen gelernt und eine Freundin gewonnen, die mich mit ihren Freunden von da an oft in Potsdam und Berlin besuchte. So gewann ich einen größeren Überblick, Einblicke, die mir den Blick über den von der SED erlaubten Tellerrand ermöglichten. Und als dann die Kirchen in der Bundesrepublik anboten, Geld für den Berliner Dom und neue Kirchen in Neubaugebieten zu geben, hat der Staat DDR, die SED schnell zugegriffen, denn sie brauchten Valuta, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken. Und so wurde für mich immer klarer, dass der Stadt Bestes zu suchen, ein Kampf um Wahrheit sein musste. Das Beste der Stadt und des Staates konnte nur gelingen, wenn wir nicht nur eine sozialistische Demokratie haben würden, sondern eine wirkliche. In der jeder fragen konnte, was ihn interessiert und gesagt werden durfte, was jeder sieht. Und nachdem ich 1986 das erste Mal meine Großeltern im Sauerland besuchen durfte, war mir klar: Entweder ich suche in der DDR mit den neu gefundenen Einsichten das Beste von Stadt und Staat oder ich gehe resigniert in den Westen, wo die Menschen in Freiheit schon lebten, was wir für den Osten Deutschlands erst noch erreichen mussten.

Die Kirche im Westen, die Kirche von Rom, hat anders als die Kirche im Osten, von Byzanz, sich nie auf das Beten beschränkt. Sondern sie hat sich eingemischt. Hat den absoluten Herrschern ihre Allmacht bestritten. Und hat immer versucht, den Widerspruch unserer Welt zum kommenden Reich Gottes zu mindern. Luther hat das mit seiner Zwei Reiche Lehre versucht, theologisch zu beschreiben. Aber ich habe mich immer stärker inspiriert gefühlt von der Lehre der Königsherrschaft Jesu Christi. Habe immer lieber gesungen “Jesus Christus herrscht als König“ als „So nimm denn meine Hände“. Denn als der Reformierte Karl Barth die Theologische Erklärung von Barmen schrieb, hat die Lutherische Kirche geschlafen. Und ist heute dankbar, dass sie an dem Widerstand der Bekennenden Kirche teilgenommen hat. Auch wir als Kirche können uns nicht quietistisch in unsere Kirchenbänke verdrücken und beten, sondern die Hände, die zum Beten ruhn, macht Gott dann eben auch stark zum Tun. Die Vernunft, die in Gebet und Gottesdienst den Willen Gottes für seine Welt vernommen hat, die ist dann auch in der Lage, konkrete Vorschläge zu machen für Frieden und Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Unsere Verantwortung für die Welt ist so wie unser Glauben – dreigestaltig, dreifaltig. Eines geht nicht ohne das andere. Ora et labora. Beten und Arbeiten, daran, dass unsere Welt nicht in diesem unerträglichen und widerlichen Widerspruch zu Gottes kommender Welt, seinem heutigen Willen steht. Bleiben sie gesundBehütet.


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