Worte zum Tag – 27. November 2020

Hauptstadt.TVHauptstadt.TV27. November 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Herr, vor dir liegt all mein Sehnen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.“ betet König David in schwerer Heimsuchung im Psalm 38. Und Jakobus tröstet in seinem Brief: „Wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt.“ Das sind Losung und Lehrtext für heute. Geduld ist keines meiner Lieblingswörter. Im Gegenteil. Manchmal fürchte ich Sie, manchmal erfüllt mich sogar Zorn, ja Hass gegen die Mahnungen zur Geduld. Es ist ein biblischer Text, auch wenn Martin Luther verächtlich über diesen Brief als stroherne Epistel geschrieben hat. Geduld in Maßen. Und nur da, wo sie absolut geboten erscheint. Keine Geduld habe ich mehr, wenn über Verfolgung von Christen geredet oder noch öfter geschwiegen wird. Oder genauso widerwärtig: Geduld angesichts von Antisemitismus. Da habe ich keine Geduld mehr. Denn Juden haben genug Ablehnung, Feindschaft und Verfolgung erleben müssen. Seit wann? Seit dem babylonischen Exil vor über 2 600 Jahren oder doch erst nach der Zerstörung des Tempels und der Zerstreuung in die Weiten des Römischen Reiches? Und auch die Christen haben Verfolgung erlebt von Anfang an. Zuerst durch die Juden und dann im Römischen Reich, bis sie durch Kaiser Konstantin vor 1700 Jahren anerkannt wurde. Und auch heute ist Christenverfolgung an vielen Orten unserer Erde an der Tagesordnung. Der jährlich neu veröffentlichte Weltverfolgungsindex zeigt für dieses Jahr wie üblich Nordkorea, Afghanistan, Somalia, Lybien, Pakistan, Eritrea, Sudan, Jemen, Iran, Indien und Syrien als die Länder mit der intensivsten Verfolgung von Christen. Aus vielen dieser Länder habe ich mittlerweile gute Freunde. Manche erzählen mir von selber von ihrer Verfolgung als Christen, mit anderen rede ich darüber. Denn aus all diesen Ländern kommen ja Menschen als Flüchtlinge hierher zu uns. Muslime und Christen. Und eines ist ganz klar: Christenverfolgung, Verfolgung von Menschen wegen ihrer Religion geht gar nicht. Da hört jede Toleranz auf. Keine Toleranz den Intoleranten. Aber gesprochen werden muss deshalb darüber auch in aller Öffentlichkeit. Denn wir verteidigen ihre Rechte gegenüber denen, die wie die AfD am liebsten keine Flüchtlinge hierher kommen lassen wollen. Mit aller uns zur Verfügung stehenden Kraft. Nicht nur weil es ein Menschenrecht ist, sondern auch aus Sympathie, aus Freundschaft, aus Mitgefühl. Und nun kann ich nicht in Rücksicht auf die Flüchtlinge oder aus Vorsicht wegen der AfD über die Verfolgung von Christen in den Herkunftsländern unserer Flüchtlinge schweigen. Ich möchte gemeinsam mit Ihnen diese Verfolgung öffentlich anprangern. Ich möchte Gewissheit, dass sie so wie ich hier ihre Rechte verteidige, mit mir auch die Rechte ihrer ehemaligen Mitbürger in ihren Herkunftsländern verteidigen. Ja, ich will Sympathie, Mitleiden von jenen, die bei uns Sicherheit gefunden haben, mit denen, die noch da sind, wo sie herkommen. Dann erst kann ich auch aus ganzem Herzen Sympathie, also Mitleid mit Ihnen haben. Dann erst ist meine Freude, ihnen hier zu helfen, vollkommen. Nur wenn unsere Herzen in diesen existentiellen Fragen ähnlich ticken, in Harmonie sind, im Gleichklang, kann ich mit ganzer Leidenschaft ihre Rechte, vor Leiden geschützt zu sein, verteidigen. Wo darüber geschwiegen wird, ist das ein Förderprogramm für die AfD, für die Rechte in unserem Land. Fördert das die Spaltung in unserem Land. Die wir uns doch angesichts der Herausforderungen gar nicht leisten können.

Zum „Gefangenen des Monats November 2020“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea den pakistanischen Christen Asif Pervaiz benannt. Sie rufen dazu auf, sich für den 37-jährigen Fabrikangestellten einzusetzen und zu beten. Er sitzt seit 2013 hinter Gittern und wurde am 8. September 2020 wegen Blasphemie, wegen Gotteslästerung, zum Tode verurteilt. Sein ehemaliger Vorgesetzter in einer Strumpfwarenfabrik hatte ihn 2013 angezeigt. Er warf Pervaiz vor, sich in mehreren Textnachrichten an sein Mobiltelefon tagelang herablassend über den Islam, insbesondere den islamischen Propheten Mohammed, geäußert zu haben. Der Christ weist diese Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als Rache. Vielmehr habe ihn sein Ex-Chef bedrängt, er solle zum Islam übertreten, so Pervaiz. Weil dem vierfachen Familienvater das Drängen so zusetzte, habe er sogar seinen Job aufgegeben. Erst daraufhin habe der Ex-Vorgesetzte ihn der Blasphemie bezichtigt. Für die Beleidigung des Propheten Mohammeds ist gemäß des pakistanischen Strafrechtsparagrafen 295 C die Todesstrafe vorgesehen. Nachdem die Blasphemievorwürfe gegen ihn bei der Polizei bekanntgeworden waren, floh Asif Pervaiz und versteckte sich. Laut Schilderungen aus dem Familienkreis prügelten Polizisten schließlich so lange auf einen Freund des Gesuchten ein, bis dieser dessen Versteck preisgab. Die IGFM und idea rufen dazu auf, sich in Briefen an den pakistanischen Staatspräsidenten Arif Alvi zu wenden. Er solle alles in seiner Macht Stehende tun, dass sich die nächste gerichtliche Instanz mit dem Fall befasst und den Christen freisprechen kann. Menschenrechte gelten überall. Nicht nur hier bei uns. Und Pakistan hat wie Saudi Arabien, als sie der UNO beitraten, diese Rechte anerkannt. Menschenrechte sind unteilbar. Wer einzelne Rechte, wie das Recht auf freie Religionsausübung nicht anerkennt, erkennt die Menschenrechte nicht an.

Bleiben sie gesundBehütet.


Über uns

Hauptstadt TV ist der Sender für die gesamte Hauptstadtregion!
Täglich wird hier ein 24-Stundenprogramm für eine treue Zuschauerschaft ausgestrahlt.
Das bedeutet Sie können TV-Berichte aus der Region, TV-Magazine, Sport, Eventübertragungen und Liveberichterstattungen für die Platzierung Ihrer Werbung nutzen.


KONTAKTIEREN SIE UNS



Jobs und Karriere

Werden Sie Teil unserer Mannschaft.


ZU UNSEREN STELLENAZEIGEN


© Copyright 2020. Alle Rechte vorbehalten.


X