Wort zum Sonntag – 29. November 2020

Hauptstadt.TV29. November 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

der 1. Advent ist der Beginn des Kirchenjahres. Die Uhren in der Kirche gehen eben etwas anders als die Uhren der Welt. Und der 1. Advent beginnt nicht erst mit dem Sonntag, sondern schon am Abend vor diesem Sonntag. Am Abend, am Ende des Schabbats, also mit dem Sonnenuntergang vor dem Sonntag. Das ist ganz jüdisch, ganz hebräisch gedacht. Denn die Bibel spricht in ihrer Schöpfungsgeschichte immer davon, dass aus Abend und Morgen der nächste Tag wird. Die Kirche hat erst im 4. Jahrhundert, erst nachdem sie durch den römischen Kaiser Konstantin erstmals anerkannt worden ist, das Weihnachtsfest nun überhaupt feiern wollen. Und hat deshalb einen Termin dafür gesucht. Und es auf den Tag des Deus sol invictus, der in Rom gefeiert wurde gelegt. Der „Gott der unbesiegten Sonne“ wurde in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember gefeiert, also kurz nach der Wintersonnenwende am 21.12.

Weihnachten, also die geweihte Nacht, hat so langsam diesen Kult verdrängt. Zu Weihnachten wollte man die Ankunft Gottes in seiner Schöpfung feiern. Mit dem jüdischen Menschen Jesus kam Gott erstmals in seine Welt, wurde Teil seiner Schöpfung. Die er vorher nur durch sein Wort geschaffen hatte. Also nicht durch Kneten oder Formen, wie es in anderen Schöpfungsmythen erzählt wird. Sondern rein durch sein Wort. Dieses Kommen Gottes in seine Welt, diese Menschwerdung Gottes galt den Juden als Frevel, als Gotteslästerung. Sie konnten und wollten es sich nicht vorstellen. Sie dachten, wenn Gott in seine Schöpfung kommt, dann ändert sich schlagartig alles so sehr, dass niemand mehr etwas erklären muss, sondern alle voller Anbetung vor Gott auf die Knie fallen. Das war mit Jesus eben sichtbar anders.

Im Advent, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten, wird nun nicht nur nach hinten geguckt, erinnert man sich nicht nur an die Geburt Gottes in Bethlehem. An seine Ankunft, seinen Advent in der Welt in dem kleinen Dorf Bethlehem, zwei Hände voll Kilometer vor Jerusalem. Sondern man schaut hoffnungsfroh auch in die Zukunft, den 2. Advent Gottes in seiner Welt am Ende der Zeiten. Als Evangelium wird an diesem ersten Sonntag im neuen Kirchenjahr deshalb seit alters her die Geschichte vom Advent Jesu in Jerusalem vor seiner Kreuzigung gelesen. Und was ist das für ein seltsamer Advent? Jesus kommt auf einem Esel geritten. Zu mehr hat es nicht gereicht. Kein Pferd. Und auch der Esel ist nur geliehen. Und die Menschen rufen, ja schreien „Hosianna dem Sohn Davids. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herren.“ Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der? Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa. Also jwd. Janz weit draußen, wie der Berliner sagt. Und diese Begegnung ist eine schlimme Vergegnung. Denn die Menschen hoffen, dass er mit der Römischen Fremdherrschaft Schluss macht. Aber Jesus will anderes. Er will die Herzen der Menschen verändern und nicht die Herrschaftsform, in der sie leben.

Die beiden größten heutigen Weltreligionen sind das Christentum und der Islam. Das Christentum hat etwa 2,3 Mrd. Anhänger, der Islam etwa 1,6 Mrd. Der Hinduismus hat deutlich weniger als 1 Milliarde Anhänger, etwa 940 Mio. Der Buddhismus etwa 460 Mio. Anhänger und das Judentum nur etwa 15 Mio. Anhänger. Aber Mitgliederzahlen sind kein Wahrheitskriterium. Christentum und Islam streiten in einigen Regionen der Erde um Anhänger, wollen Menschen von ihrem Glauben überzeugen. Deshalb lohnt sich am heutigen Tag einmal ein Blick auf die ganz verschiedenen Einzüge von Jesus und Mohammed. Die Muslime lassen ihre Zeitrechnung beginnen mit der Hadsch, der Flucht von Mohammed von Mekka nach Medina im Jahre 620 nach Christi Geburt. Die Menschen in Mekka haben Mohammed vertrieben, weil er inspiriert durch jüdische und christliche Handelsleute, den Arabern auch den Glauben an den einen Gott verkündete. Das ertrugen die Einwohner der Stadt, mit dem Heiligen Ort, wo die Kaaba stand nicht. Denn sie fürchteten, dass die Götter die Mohammed nicht verehren wollte, sie dafür strafen könnten. Deshalb vertrieben sie den Frevler. Der sich dann in Medina niederließ und weiter Offenbarungen erhielt, die er aufschreiben ließ, den heutigen Koran.

Vor 1390 Jahren, im Januar des Jahres 630, 10 Jahre nachdem er aus Mekka geflohen war, eroberte Mohammed nun mit einem Feldzug die Stadt Mekka. Er hatte eine Streitmacht von mehreren Tausenden Soldaten um sich gescharrt. Was mit dem Überfall auf verschiedene Karawanen begann, endete nun mit der Eroberung Mekkas, der Stadt mit der Kaaba, zu der die Muslime pilgern sollten. Mit den riesigen Kamelen zogen sie in Mekka ein und Mohammed, der ja auch viele Jahre später eines natürlichen Todes starb, war nun nicht mehr nur Prophet, sondern auch Regierungschef in Medina und nun auch Mekka und eben auch Feldherr, General seiner Armee.

Können Einzüge verschiedener sein als die von Jesus in Jerusalem und der von Mohammed in Mekka? Sie sind extrem verschieden, so wie auch die Botschaft der beiden. Jesus gebietet Liebe: Du sollst Gott lieben und Deinen Nächsten wie Dich selbst. Mohammed hingegen fordert im Namen Allahs Islam, Unterwerfung. Jeder Moslem soll das Bekenntnis 5 mal am Tag sprechen: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“. Jesus ist als Gotteslästerer gekreuzigt worden. Er hat nie Gewalt geübt. Im Gegenteil, als Petrus ihn im Garten Gethsemane verteidigen wollte, hat er ihn angewiesen: „Petrus stecke Dein Schwert ein. Wer das Schwert ergreift, wird durch das Schwert umkommen. Im Tempel hat Jesus die Tische der Händler und Geldwechsler umgestoßen, weil er wollte, dass der Tempel wieder ein Bethaus ist und keine Räuberhöhle. Die ersten 300 Jahre nach der Kreuzigung Jesu sind die Christen nur und ausschließlich verfolgt worden. Während die Muslime nach dem natürlichen Tod von Mohammed im Jahre am 8. Juni 632 in Medina in über 300 Jahren große Teile des ehemaligen Römischen Reiches erobert haben – bis hin später nach Spanien und Konstantinopel. Natürlich auch die Juden und Christen Heilige Stadt Jerusalem. Die auch den Muslimen heilig wurde, weil Mohammed nach seinem Tod einen Gabelflug in den Himmel genommen haben soll – eben über Jerusalem. Und also nicht wie Jesus seine Himmelfahrt von einem Berg in Galiläa aus begann, sondern eben von der Heiligen Stadt Jerusalem. Ein solcher Einzug des Religionsstifters prägt natürlich eine Religion. Denn er zeigt paradigmatisch, wie man in eine Stadt, in ein Land, dass man von seiner Wahrheit überzeugen will, hinein geht. Ein solcher Einzug prägt die DNS einer Religion wesentlich. Das muss uns soll eben gerade an dem 1. Advent einmal so genau betrachtet werden. Nicht ohne hinzuzufügen, dass so unterschiedlich Religionen auch sind, wir gehalten sind, andere in ihrer Andersartigkeit zu akzeptieren. Dass dieses Menschenrecht leider nicht in gleicher Weise wie bei uns auch bei den Muslimen praktiziert wird, obwohl sie es hier von uns für sich einfordern, gehört zu der traurigen Wahrheit des Advent 2020. Aber deshalb liebe ich Muslime wie Seyran Atesh und Achmed Masour, weil ich mich mit Ihnen in dieser Forderung überein weiß. Bleiben sie gesundBehütet.


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