Wort zum Sonntag – 06. September 2020

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Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.“ bittet der Beter im Psalm 121. Ja, vor allem meine Seele möge Gott behüten. Ich weiß nicht wo sie ist. Die Seele ist nicht greifbar. Keiner kann sagen: Hier ist sie. Oder dort kannst Du sie sehen. Aber wir spüren sie. Sie meldet sich, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Und dann brauchen wir Seelsorger. Einen Menschen, der sich mit mir um meine Seele sorgt. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gehe ich zum Psychologen. Der hilft mir, mich besser zu verstehen. Hilft mir Ordnung in meine Gedanken zu bringen. Aber wenn ich nicht mehr aus noch ein weiß, dann suche ich mir einen, der meiner Seele wieder auf hilft. Denn obwohl es schwer ist, kann ich wohl ohne ein Bein leben oder auf meinen Arm, meine Hand verzichten. Es ist bitter, ja, das ahne ich. Und setze alles daran, dass ich gesund bleibe. Das alles an mir funktioniert wie bisher. Aber am wichtigsten ist mir meine Seele. Das ist mein letzter Rückzugsort. Wenn es den nicht mehr gibt, wenn meine Seele verwüstet ist, dann bin ich nicht mehr ich selbst. Deshalb bitte ich: Gott behüte meine Seele.

Die Seele ist wohl ganz nah beim Herz. Hat zumindest großen Einfluss auf mein Herz. Denn wenn meine Seele unruhig wird, dann beginnt mein Herz zu rasen. Dann kommt mein Herz aus dem Takt. Dann bekomme ich Herz-Rhythmus-Störungen. Der große Kirchenvater Augustinus stammt aus der großen Stadt Karthago, die heute in Tunesien liegt und die einmal so voller Juden und Christen war, wie Byzanz, wie das heutige Istanbul oder Damaskus oder viele andere Städte. Und das will ich wenigstens sagen und klagen dürfen, denen die heute hier mit mir leben und denen wir alle Rechte einräumen, die nach unserer christlichen Auffassung Menschen an allen Orten der Erde haben. Und sie hier haben und nutzen, aber ihre Verwandten und Freunde gewähren sie denen nicht, die so glauben wie wir. Und ich soll in Rücksicht auf Sie auch hier darüber schweigen. Aber auch das macht meine Seele krank. Denn gleiches Recht muss doch für alle gelten. Wo kämen wir sonst hin. Sonst hätten wir ja ewig Verhältnisse, wie wir sie heute noch haben. Also: Augustinus sagte in Karthago am Ende seiner „Bekenntnisse“: Cor inquietum  est, donec requiebat in te. Mein Herz ist unruhig in mir, bis es ruht in Dir. Meine Seele ist unruhig in mir, bis sie Ruhe findet im Gebet, im Glauben, in der Hoffnung auf Gott. Und deshalb brauche ich immerwährend Seelsorge im Gottesdienst, im gemeinsamen Glauben und Hoffen mit anderen Christen. Die mir ermöglicht, dass mein innerer Kompass mir wieder neu die Richtung zeigt. Meine Seele ist die Raumzeit, in der ich lebe. Neben allem meinem Leben in Raum oder Zeit. Ich habe einmal eine wundervolle Geschichte gelesen von Jurek Becker, dem wunderbaren jüdischen Schriftsteller in der DDR, der „Jacob der Lügner“ geschrieben hat. Er war bei der KWV, der Kommunalen Wohnungsverwaltung, die den Mangel an Wohnungen verwaltete. Mit seiner vierköpfigen Familie wurde ihm eine Dreizimmer-Wohnung zugewiesen. Er sagte das sei zu wenig. Denn das wäre ja nur ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer und ein Denkzimmer für seine Seele. Die Beamtin sagte, dann würden ja auch zwei Zimmer reichen. Er rechnete neu und sagte, dass man dann in einem Zimmer wohnen und schlafen müsse und dann noch das Denkzimmer für die Seele bliebe. Darauf wollte die Beamtin ihm nur eine Einzimmer-Wohnung zu weisen. Und er fragte sie, wo er dann wohnen und schlafen sollte?

Er hat die Wohnung nicht bekommen, denn die Beamtin war wohl schon tot, denn sie hatte keine Seele und wusste nicht, dass man für die Seele vor allem eine Raumzeit braucht. Weil das Leben sich sonst nicht nur nicht mehr lohnt, sondern schlicht nicht mehr geführt werden kann. Man kann es doch erkennen, wo jemand noch mit seiner Seele in einem Haus wohnt oder wo Gott schon die Seele zu sich genommen hat, weil der Mensch, der sich doch um seine Seele sorgen soll, sie weniger beachtet hat, als einen Abtreter. Deshalb singe ich mit Paul Gerhardt so gern: „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön. Dem, welchen alle Dinge zu Dienst und Wollen stehen. Ich will den Herren droben, hier preisen auf der Erd, ich will ihn herzlich loben, so lang ich leben werd.“ Und hoffe, dass der Wunsch des Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Thessaloniki, in dem Gott sei Dank heute auch noch nach dem Osmanischen Reich Christen leben können, wieder und wieder erfüllt werde. „Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.“ Bleiben Sie gesundBehütet.


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